Die Weinführer haben gespochen!

Diverse Auszeichnungen 2018

Wie in jedem Jahr kommen am Jahresende die bekannten Weinführer heraus, und geben die Bewertungen bekannt.
Auch wir haben im Sommer fleißig unsere Weine angestellt – in diesem Jahr mit großem Erfolg! Das erste Mal erscheint unser Weingut im Gault Millau, der dieses Jahr mit neuem Verkostungsteam an den Start ging. Aus dem Stand schafften wir es auf beachtliche 2 Trauben, das freut uns natürlich. Am besten schnitt unser 2016 vogelfrei Merlot trocken mit 88 Punkten ab. Im Eichelmann konnten wir unsere 2,5 Sterne bestätigen, hier wurde der 2015 vogelfrei Weißburgunder ebenfalls mit 88 Punkten an der Spitze unseres Sortiment gesehen. Auch zum ersten Mal fanden wir Erwähnung im Falstaff Wein Guide. Hier wurden gleich 3 Weine mit 91 Punkten bewertet, 2015 Welzenstein, 2015 vogelfrei Merlot und unser 2013 Pinot »R« Sekt. Besonders freut und die Beschreibung unserer Kollektion. Hier hatten wir den Eindruck, das hier die Idee hinter unseren Weinen klar erkannt wurde – eigentlich wichtiger als die Punkte an sich.

Nun ist das mit den Weinführern und ihren Punkten eben so eine Sache, die mich immer wieder zwiegespalten zurück lässt. Auf der einen Seite ist es natürlich wichtig, sich als Weinmacher nicht im eigenen Keller einzuschließen, um dort seinen eigenen Weine zu loben. Hier bieten die Weinführer eine gute Gelegenheit, sich weitere Meinungen zu seinen eigenen Weinen einzuholen und natürlich freut man sich dann über eine gute Bewertung – und hinderlich im Vermarkten der Weine ist es ja schließlich auch nicht.
Auf der anderen Seite sind die Bewertung oft auch schwer einzuschätzen. Was soll man zum Beispiel davon halten, wenn ein und der selbe Wein von einem Weinführer mit 82 Punkten, von einem anderen mit 89 Punkten bewertet wird. So geschehen bei unserem 2016 Riesling trocken. Oder unser Merlot, einmal an der Spitze und einmal mit gerade mal 84 Punkten bewertet. Freut man sich über das Eine und ärgert sich über das Andere oder oder glaubt man der niedrigen Bewertung und zweifelt…oder setzt man dann doch wieder auf seinem eigenen Geschmack.
Ein weiterer Punkt bzw. »Punkte«, die mich stören, sind die unterschiedlichen Maßstäbe, die zum Teil angelegt werden. So kann es vorkommen, dass bei einem bekannten und renomierten Betrieb die Punkteskala bei 86 Punkten beginnt, wobei sie bei einem beispielsweise jungen und unbekannten Weingut irgendwo um die 80 Punkte beginnt. Natürlich will ich nicht die Leistung der renomierten Betriebe schmälern, die jedes Jahr tolle Weine machen und damit zurecht an der Spitze stehen. Aber oft bekommt man gerade in der Basis auch bei unbekannteren Weingütern Vergleichbares. Wenn man sich die Mühe macht und hier mal selbst vergleicht (wie wir es getan haben) wird man feststellen, dass die Diskrepanz oftmals nicht nachvollziehbar ist – was irgendwie auch schade ist. Der Falstaff Wein Guide stellt für mich hier eine positive Ausnahme dar.

Ich will damit auch nicht den Verkostern zu nahe treten, vor deren Arbeit ich großen Respekt habe. So viele Weine in so kurzer Zeit zu verkosten und zu bewerten ist kein Zuckerschlecken. Aber an der ganzen Misere sieht man eines immer wieder ganz deutlich: es ist schlicht und ergreifend nicht möglich, Wein rein subjektiv zu bewerten. Unser Geschmack wird von allen möglichen Einflüssen geprägt – und so schmeckt mir ein und der selbe Wein an einem Tag mal besser und an einem anderen mal schlechter. Auch Name und Etikett spielt beim ersten Schluck eine nicht unerhebliche Rolle. Es sollte jedoch möglich sein, Weine grob in die richtige Punkte-Range einzuordnen. Vergleicht man dann die Bewertungen, ist dies auch meistens so, aber eben nicht immer.

Wir werden also nächstes Jahr nach den Füllungen wieder zusammensitzen und über den Sinn und Unsinn der Weinführer diskutieren und überlegen, ob das Geld wo anders nicht besser angelegt wäre. Schließlich ist die wichtigste Einschätzung und Hauptbestandteil unserer Philosophie immer noch unser eigener Geschmack – das wird auch immer so bleiben. Mit großer Wahrscheinlichkeit werden wir jedoch trotzdem wieder Proben einschicken. Oft überwiegen die positiven Punkte dann eben doch. Aber darüber nachdenken sollte man dann vielleicht schon einmal, und zwar nicht nur als Weinerzeuger…